Trotz mieser Bezahlung und lausiger Arbeitszeiten: Immer mehr Azubis brechen Ausbildung ab

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Was ist nur mit der Jugend von heute los? Trotz mieser Bezahlung und lausiger Arbeitszeiten wird laut Berufsbildungsbericht 2019 mehr als jede vierte berufliche Ausbildung in Deutschland abgebrochen. In den Branchen der NGG liegen die Abbrecherquoten sogar noch deutlich höher. Die Arbeitgeber sind ratlos.

"Es ist einfach zum Haareraufen!", seufzt Hotelchef Peter Hähnlein aus Ostfriesland. "Über die Hälfte unserer Restaurantfachkräfte bricht vorzeitig ab. Seit wann reichen schlechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung in Höhe von 630 Euro monatlich nicht mehr als Motivation?"

Hähnlein ist nicht der einzige Arbeitgeber, der vor einem Rätsel steht: Selbst in so prestigeträchtigen Berufen wie Koch/Köchin (48,2 %), Fachfrau/Fachmann für Systemgastronomie (44,0 %) sowie Fachkraft im Gastgewerbe (42,6 %) brechen Auszubildende immer häufiger vorzeitig ab.

Knut Bentheim, Chef einer Bäckerei aus Oldenburg fehlt dafür jedes Verständnis: "Der Jugend von heute fehlt es offenbar an der Bereitschaft, drei Jahre lang die gleichen Tätigkeiten auszuüben wie ausgelernte Kollegen und sich dafür mit einem Hungerlohn abspeisen zu lassen!"

Mysteriöserweise ist die Abbruchrate ausgerechnet bei jenen Jobs besonders hoch, bei denen nicht nur während der Ausbildung schlecht bezahlt wird, sondern auch nach ihrem erfolgreichen Abschluss. im Oldenburger Land beträgt der Stundenlohn nach abgeschlossener für einen Restaurantfachmann derzeit 10,46 Euro. Eine Bäckereifachverkäuferin verdient in Niedersachsen derzeit sogar nur 10,39 Euro.

Schuld an der Misere dürfte einmal mehr der sogenannte "Fachkräftemangel" sein. Dieser wurde erst kürzlich mit folgender Definition in den Duden aufgenommen: "Zustand, bei dem sich Arbeitgeber darüber beklagen, ohne faire Arbeitsbedingungen kein Personal mehr zu finden."

Als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel fordert Hähnlein zusammen mit dem DEHOGA die Flexibilisierung der Arbeitszeitvorschriften. "Aktuell darf ich offiziell die Mitarbeiter nicht länger als 10 Stunden einplanen, sonst bekomme ich Probleme mit dem Zoll. Aber wie soll das denn in der Praxis gehen, wenn ich kein Personal habe? Deswegen müssen im Dienstplan auch 13-Stunden-Schichten geplant werden können." Kritik an der Kampagne weist Hähnlein zurück: "Die Beschäftigten hätten dann schon nach vier Tagen ihre wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden erreicht. Für die restlichen drei Tage der Woche werden wir dann einfach neues Personal einstellen."

 

Quelle/Hinweis: Dies ist ein angepasster Satire-Text, basierend auf einem Artikel des Postillon: https://www.der-postillon.com/2018/04/mysterioeser-lehrlingsschwund.html