NGG fordert Kulturwandel. Viele Betriebe sind nicht ausbildungsfähig

Das Sterne-Restaurant "Perior" ist seit dem 31.03.2018 geschlossen.

Um der steigenden Zahl der Ausbildungsabbrecher entgegen zu treten, fordert die Gewerkschaft NGG einen Kulturwandel im Gastgewerbe und Handwerk.

„Junge Menschen haben heute viel mehr Auswahl und sind nicht mehr auf jeden Ausbildungsplatz angewiesen. Gerade im Gastgewerbe und im Handwerk stellen wir fest, dass viele Arbeitgeber mit den heutigen Anforderungen an eine moderne Ausbildung überfordert sind. Das ist auch verständlich wenn man bedenkt, dass sich viele der heutigen Arbeitgeber selbst unter dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, hochgearbeitet haben. Wer nur diese Kultur kennt der hat es heutzutage natürlich schwer, mit Auszubildenden respektvoll auf Augenhöhe umzugehen“, kommentiert Christian Wechselbaum, Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Oldenburg Ostfriesland die aktuelle Diskussion um hohe Abbrecherquoten von Auszubildenden.

Die Gewerkschaft führt exemplarisch das Beispiel des „Perior“ in Leer an, dem bislang einzigen Sterne-Restaurant auf dem ostfriesischen Festland, welches am vergangenen Wochenende wegen akutem Fachkräftemangel endgültig den Betrieb einstellen musste.

Wechselbaum: „Es ist ein Alarmsignal welches vom „Perior“ ausgeht, denn es zeigt, wie dramatisch die Situation bereits ist. Es darf niemanden kalt lassen, wenn laut Berufsbildungsbericht 2018 die Hälfte der Köche und Restaurantfachkräfte vorzeitig ihre Ausbildung abbrechen. Zum achten Mal in Folge haben die Übernachtungszahlen im hiesigen Tourismus einen Rekord erreicht. Wenn aber gleichzeitig die Fachkräfte wegbrechen, dann wird das fatal enden. Das „Perior“ wird dann erst der Anfang gewesen sein.“

Die Gewerkschaft NGG schlägt vor, gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen. Insbesondere aber die Ausbildungsvergütungen und Löhne deutlich anzuheben, um die Berufe attraktiver zu machen. Die zuständigen Kammern sind aufgefordert, ihre Kontrollpflichten gegenüber den Betrieben stärker nachzukommen. „Viele Betriebe müssen wir heute als nicht mehr ausbildungsfähig bezeichnen. Es darf kein Tabu mehr sein, einem Betrieb die Ausbildungserlaubnis zu entziehen, wenn andernfalls ganze Branchen in Mitleidenschaft gezogen werden“, so der Gewerkschafter abschließend.

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