Bleibt demnächst die Küche kalt?

Die Deutschen machen weiterhin am liebsten zu Hause Urlaub. Zum achten Mal in Folge sind die Übernachtungszahlen auf ein neues Rekordhoch geklettert. Im Jahr 2017 ist der Tourismus in Deutschland nochmal um 3 % gewachsen auf mittlerweile 460 Millionen Übernachtungen. Besonders beliebt sind dabei weiterhin die norddeutschen Küstenregionen. Und auch für dieses Jahr rechnet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) mit einem weiteren Anstieg.

Jubeln kann die Branche trotzdem nur wenig. Flächendeckend beklagen Gastronomen, dass sie kein Personal finden um die Arbeit zu erledigen. Sowohl Fachkräfte, als auch ungelerntes Personal fehlt vorne und hinten. Die Gründe dafür sind vor allem hausgemacht: Missachtung von Arbeitsgesetzen und Tarifverträgen, Behinderung von Betriebsräten, kaum Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Unternehmenskulturen nach dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Kurz gesagt, das Gastgewerbes kann als Arbeitgeber gegenüber anderen attraktiven Branchen immer weniger mithalten. Die so genannten geburtenschwachen Jahrgänge können sich heute aussuchen, wo sie ihre Ausbildung machen.

Wir steuern damit auf eine bedrohliche Blase zu, die den Tourismusstandort gefährdet. Denn eine Dienstleistungsbranche ohne Personal kann keine Dienstleistungen erbringen. Wir brauchen mehr Hände in den Betrieben, wir brauchen wieder mehr motivierte Belegschaften und wir brauchen mehr Beschäftigte, die nicht nach wenigen Monaten oder Jahren ihrem Betrieb oder sogar der Branche den Rücken kehren.

Völlig unverständlich ist vor diesem Hintergrund ist das, was eben jener DEHOGA branchenpolitisch treibt. Anstatt über bessere Arbeitsbedingungen für die Branche zu sprechen, fährt der DEHOGA eine Kampagne zur Öffnung des Arbeitszeitgesetzes. Was heute noch in den Betrieben außerhalb des Gesetzes stattfindet, soll die Regel werden. Monsterschichten von 13 Stunden sollen legalisiert und Ruhezeiten reduziert werden. Die Logik dahinter ist klar: Da wir zu wenig Personal haben, müssen eben diejenigen, die noch da sind mehr arbeiten. Enttäuscht zeigte sich entsprechend der Branchenverband als der Koalitionsvertrag von Union und SPD diesen Wunsch zwar aufnahm, aber unter den Vorbehalt einer tarifvertraglichen Öffnung und gleichzeitig einer Regelung mit den Betriebsräten stellte.

Besondere Verantwortung haben die Gastronomen in Ostfriesland und dem Oldenburger Land. Die Beschäftigten fordern hier weiterhin eine Anhebung der hiesigen Billiglöhne mindestens an das Niveau im restlichen Niedersachsen. Es ist niemanden zu erklären, warum ein Koch in Wilhelmshaven nach der Ausbildung 1.748 Euro bekommt und seine Kollegin aus Cuxhaven für den gleichen Job 191 Euro mehr erhält. Die regionalen DEHOGA Bezirksverbände Ostfriesland und Oldenburg haben es in diesem Winter in der Hand zu zeigen, ob Sie das Hotel- und Gaststättengewerbe für Beschäftigte und Gäste attraktiver machen wollen. Aus Sicht der Beschäftigten kann es nicht mehr darum ob und wieviel die Löhne steigen, sondern nur noch wie lange wir brauchen um gute Löhne zu bekommen. Ansonsten bleibt demnächst die Küche kalt. Denn was lange gärt, wird Wut.

 

Artikel aus der Maizeitung 2018 des DGB Oldenburg-Ostfriesland, Autor: Christian Wechselbaum

 

Du arbeitest in der im Gastgewerbe? Hier kannst du online Gewerkschaftsmitglied werden. Denn nur wenn wir auch in der Zukunft weiterhin viele Mitglieder haben, werden wir in der Lage sein uns für gute Arbeitsbedingungen einzusetzen.