13 Möglichkeiten, wie wir Deinen Arbeitgeber zur Einhaltung des Tarifvertrages bringen

~ Bitter ~ - Fotolia

Kennst du das auch? Die Gewerkschaft NGG hat für Deine Branche einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Es gibt also wieder eine Lohnerhöhung. Aber Dein Arbeitgeber ignoriert den neuen Tarifvertrag. Gerade im Gastgewerbe oder dem Bäckerhandwerk ist das eine häufige Problematik.

Als Mitglied in der Gewerkschaft NGG kannst Du Dich mit diesem Anliegen auf jeden Fall an uns wenden. Das ist leider ein Teil unserer täglichen Arbeit.

Bevor Du oder die Gewerkschaft an den Arbeitgeber herantrittst, sind einige zentrale Punkte zu klären:

  • Erst einmal schauen wir in den jeweiligen Tarifvertrag, ob dieser grundsätzlich für Deinen Betrieb und für Deinen Job anzuwenden ist. Dabei wird auch geprüft, ob Du auch der richtigen Tarifgruppe zugeordnet bis
  • Dann kommt der wichtigste Punkt: Gibt es eine Tarifbindung? Das heißt, ist sowohl der Arbeitgeber aber auch der/die Mitarbeiter/in an den Tarifvertrag gebunden? Wenn Du selber Mitglied in der richtigen Gewerkschaft bist, hast Du schon mal die wichtigste Voraussetzung geschaffen. Denn laut Tarifvertragsgesetz gelten Tarifverträge nur für Gewerkschaftsmitglieder.
  • Als nächstes versuchen wir heraus zu finden, ob der Arbeitgeber auch an den Tarifvertrag gebunden ist. Bei Branchen-Tarifverträgen muss der Arbeitgeber dazu Mitglied im Arbeitgeberverband sein. Ist das nicht der Fall, lohnt sich ein Blick in den Arbeitsvertrag. In vielen Arbeitsverträgen sichern Arbeitgeber die Umsetzung des jeweiligen Tarifvertrages zu, auch wenn sie selber nicht Mitglied im entsprechenden Arbeitgeberverband sind.

 

Ok, das hätten wir geschafft. Und jetzt?

Wenn wir wissen, dass beide Seiten an den Tarifvertrag gebunden sind, kommen wir zur eigentlichen Problemlösung. Wie bewegen wir den Arbeitgeber dazu, dass Du die Lohnerhöhung auch bekommst? 

  1. Sprich Deinen Chef an. Im persönlichen Gespräch lassen sich Probleme oft am einfachsten klären. Nachdem Du von uns mit dem notwendigen Wissen und Sicherheiten ausgestattet wurdest, kannst Du Deinen Chef direkt auf die offene Tariferhöhung ansprechen. In den meisten Fällen reicht das bereits aus und der Arbeitgeber wird die Tariferhöhung umsetzen.
  2. Lass ein Tarif-Flugblatt im Betrieb liegen. Wenn Du Deinen Chef erstmal nicht ansprechen möchtest, kannst Du auch ein Flugblatt der NGG an einer Stelle liegen lassen, wo es der Chef findet. Manchmal ist die Tariferhöhung irgendwie durchgerutscht und der Arbeitgeber erinnert sich dadurch an seine Pflichten. In jedem Fall wird er dann wissen, dass Einige in der Belegschaft sich hiermit beschäftigten. Das führt oft dazu, dass es plötzlich eine Lohnerhöhung gibt.
  3. Informiere weitere Beschäftigte. Je mehr KollegInnen im Thema sind und hinter Dir stehen, je leichter wird es für Dich. Wenn im Betrieb über Arbeitsbedingungen und Tarifverträge diskutiert wird, bekommt es irgendwann auch der Arbeitgeber mit. Die meisten Arbeitgeber möchten im Betrieb keinen Stress. Die Chance auf eine Umsetzung des Tarifvertrages steigt dadurch stark
  4. Verbündet euch. Geh mit weiteren KollegInnen gemeinsam zum Chef und sprecht ihn auf die offene Lohnerhöhung an. Das ist die Steigerung des vorherigen Punktes und erzeugt einen ersten Druck auf den Arbeitgeber.
  5. Schreibe einen Brief. Wenn Gespräche nicht weiterführen, musst Du irgendwann Fakten schaffen. In einem freundlichen, aber verbindlichen Brief kannst Du den Arbeitgeber bitten, bei der nächsten Entgeltabrechnung die Tariferhöhung zu berücksichtigen. Sprich diesen Brief vorher mit der NGG ab, damit er bereits den Charakter einer rechtlichen Geltendmachung erfüllt.
  6. Die NGG weist den Arbeitgeber auf seine Pflichten hin. Oft ist es hilfreich, wenn die NGG dem Arbeitgeber einen kurzen Brief an den Arbeitgeber schreibt. Darin teilen wir mit, dass wir erfahren haben, dass der Arbeitgeber es bislang versäumt hat, die Löhne anzupassen. Dann wird er aufgefordert, dies kurzfristig nachzuholen. Woher wir unsere Informationen haben, würde dabei erstmal nicht bekannt gegeben werden. So ein Brief von der Gewerkschaft ist zwar rechtlich nicht bindend, erzeugt aber meistens eine Reaktion. Denn es ist für den Arbeitgeber nicht kalkulierbar, was unsere nächsten Schritte wären.
  7. Wir machen deine Ansprüche geltend. Wenn es eine Vollmacht gibt, kann die Gewerkschaft NGG Deine Ansprüche schriftlich geltend machen. Dabei würden die offenen Forderungen aufgelistet. Auch rückwirkend soweit möglich. Der Arbeitgeber wird unter Setzung einer Frist aufgefordert, die Ansprüche unseres Mitgliedes zu erfüllen.
  8. Klage vor dem Arbeitsgericht. Sollte Dein Schreiben (Nr. 5) oder die Geltendmachung der NGG (Nr. 7) erfolglos bleiben, können Gewerkschaftsmitglieder ihre Forderungen beim Arbeitsgericht einklagen lassen. Mitgliedern entstehen hierdurch keine weiteren Kosten. Ein Anwalt wird von der Gewerkschaft NGG gestellt.
  9. Verteilung von Flugblättern an Beschäftigte. Die Gewerkschaft hat das Recht in und vor den Betrieben die Beschäftigten zu informieren. Ein bewährtes Mittel ist die Verteilung von Flugblättern mit Tarifinfos und Rechten direkt an die Beschäftigten. Das bekommt der Arbeitgeber natürlich mit.
  10. Ansprache von Kunden und Gästen. Sollten wir bis hier noch nicht weitergekommen sein, können wir auch Kunden und Gäste ansprechen. Damit würde der Druck deutlich erhöht werden.
  11. Veröffentlichung im Internet. Wenn wir Flugblatt-Aktionen im Internet veröffentlichen, erfahren natürlich viel mehr Menschen von dem Konflikt im Betrieb.
  12. Mitteilung an die örtliche Presse. Lokale Journalisten berichten gerne über regionale Konflikte in den Betrieben. Mit einem Bericht in einer Regionalzeitung oder einem Radiosender wird der Konflikt in der Region zum Gesprächsthema.
  13. Große Kampagne in der Öffentlichkeit. Sollten wir trotz aller vorherigen Schritte nicht zu einem Ergebnis kommen, bietet sich auch die Möglichkeit eine große öffentliche Kampagne zu starten.  

Der Weg wird immer so gewählt, wie Du Dich, beziehungsweise, wie sich die KollegInnen am sichersten dabei fühlen. Die Möglichkeiten werden dabei immer direkter und erzeugen immer größeren Druck auf den Arbeitgeber.

Wichtig ist, dass wir immer in Abstimmung miteinander vorgehen. Denn unsere Mitglieder in den Betrieben müssen sich dabei wohl fühlen. Zu einer öffentlichen Kampagne kommen wir nur selten. In den allermeisten Fällen wird durch ein persönliches Gespräch oder einen Brief bereits das Problem gelöst.

In der Auflistung sind wir davon ausgegangen, dass es in deinem Betrieb keinen Betriebsrat gibt. Oder sich der Betriebsrat leider nicht ausreichend um das Problem kümmert. Auch das kommt hin und wieder vor. Der Betriebsrat hat laut Betriebsverfassungsgesetz Aufgabe, die Umsetzung der Tarifverträge im Betrieb zu kontrollieren.

Mit einem engagierten Betriebsrat würden sich also noch weitere Möglichkeiten ergeben um zur Tariferhöhung zu kommen.

Du möchtest, dass es auch bei dir im Betrieb einen Betriebsrat gibt? Dann solltest du dich mit KollegInnen zusammentun, denen du vertraust und dich dann an die NGG wenden. Wir unterstützen euch dann bei der Einleitung einer Betriebsratswahl.

 

Du arbeitest in der im Gastgewerbe, im Lebensmittelhandwerk oder dem Ernähungsindustrie? Hier kannst du online Gewerkschaftsmitglied werden. Denn nur wenn wir auch in der Zukunft weiterhin viele Mitglieder haben, werden wir in der Lage sein uns für gute Arbeitsbedingungen einzusetzen.